Der Junge muss an die frische Luft, Film von Charlotte Link

Der Junge der “Hans-Peter Kerkeling” spielt ist ein Wunder. Alles spiegelt sich in seinem runden, freundlichen Gesicht. Seine Augen sind Spiegel der Erwachsenenwelt. Sie leuchten immer, sind nach innen und außen gleichermaßen gerichtet. Und immer blitzt die Verschmitzheit gegenüber der Welt der großen Menschen in ihnen auf. Früh erkennt Hans-Peter, der spätere Hape, dass Komik sein Schlüssel ist für die Welt und um Menschen zu erreichen. Insbesondere seine Mutter, die unter schweren Depressionen leidet.

 

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Das Ende der Regale

Vorgestern im Hugendubel am Stachus. Die Buchhandlung wurde renoviert. Fast alle Regale sind abgeschafft. Jedes Stockwerk ist ein Archipel von Tischen, auf denen sich offen ausgelegte Bestseller und Neuerscheinungen mehr oder weniger bekannter Schriftsteller stapeln. Alle aktuellen Autoren sind willkürlich im Raum verteilt. Das Alphabet spielt keine Rolle mehr. Sich mehrere Werke von einem Schriftsteller anzuschauen, ist nicht mehr möglich. Eine durchgeplante auf Marketingüberlegungen aufbauende Verkaufsstrategie bestimmt  das Interieur. Gemeinsamkeiten zu einer Bibliothek haben sich komplett aufgelöst

Laufen im Schnee

Es hat die ganze Nacht geschneit. Der Schnee hat die Welt mit Rundungen versehen, alle scharfen Kanten und spitzen Ecken meiner Welt abghobelt und ordentlich geschliffen. Ich stehe früh auf, ziehe mich einigermaßen warm an und laufe in den geweißelten Wald. Jeder Schritt braucht mehr Kraft, weil sich der Fuß immer ein wenig aus dem Schnee herausarbeiten muss. Die Schneedecke ist noch unberührt und ich genieße es Spuren zu hinterlassen, die hinter mir gleich wieder zugeschneit werden. Miracle Morning. Toller Begriff und auf den Punkt gebracht, als ein Typ begleitet von einem Husky mit bloßem Oberkörper dem schneidenden Wind und dem Schneegestöber zum Trotz mir entgegenläuft und freundlich “Guten Morgen” haucht.

Der Hund

Mein Sohn und ich haben einen Hund in Pflege. Einen japanischen Shiba Inu. Er sieht aus wie ein Fuchs. Sagen alle Leute, die ihn sehen. Außerdem besitzt er einen komplexen Charakter. Denn er stellt immer wieder die Hierachien in Frage. Es ist für ihn nicht selbstverständlich, dass der Mensch, der sich gerade mit ihm abgibt, mit ihm spielt oder spazieren geht, das Alphatier für ihn bedeutet. Ich muss mir das bei ihm erarbeiten und mich dazu in die Ursuppe der Evolution begeben. Der Hund verlangt von mir Strenge und Konsequenz ohne Wenn und Aber. Ohne Diskussion, Kompromiss und ohne Einfluss von aufklärerischem Gedankengut. So endet zum Beispiel das Spazierengehen ohne Leine in einem Kampf. Wer ist stärker: Der Hund, der schneller, flinker und frecher ist als ich. Oder ich sein momentaner Ernährer und Wärmespender? Dem Hund ist meine Funktion im Augenblick der Auseinandersetzung völlig egal. Er will ganz oben sein und bestimmen wo und in welchem Tempo es langgeht. Nachdem ich ihn nämlich im Park von der Leine gelassen, damit er sich austoben kann, weigert er sich wieder zurückzukommen und sich anbinden zu lassen. Er kommt näher und sobald ich auf ihn zugehe, haut er wieder ab. Das geht eine dreiviertel Stunde so. Der Hund interessiert sich dabei null für meine Argumente, die ich ihm am Ende schreiend vortrage noch für meinen Terminkalender, der mir gerade an diesem Nachmittag im Nacken sitzt. Irgendwann, völlig außer Atem gelingt es mir dann doch, ihn am Halsband zu packen und ihn an der Leine nach Hause zu zehren. In der Rangfolge des Hundes, so wird mir an diesem Nachmittag klar, bin ich sehr weit unten angesiedelt. Es bräuchte Monate, nein Jahre, um mich auf Wiesen und in Parkanlagen nach oben zu rennen und zu kämpfen.

Im Cafe

Die Frau, die auf ihrem kleinen Laptop neben mir im Internet surft und bei jedem Klick “Oh Gott, oh Gott” ziemlich laut vor sich hinflüstert, dass es mich jedesmal aufschreckt.

Der Vorname-Fime von Sönke Wortmann

Es geht um den Vornamen eines zukünftigen Erdbewohners. Er soll Adolf heißen, wie der werdenden Vater ankündigt. Er tut das bei einem indischen Essen, zu dem sein Bruder, ein Literaturprofessor und seine Frau, eine Gymnasiallehrerin, geladen haben. Dabei ist noch ein langjähriger Freund des Gastgeberpaares, ein Klarinettist, und später die zukünftige Mutter des kleinen Adolfs, dabei. Natürlich bricht ein Streit über die Namensgebung aus, der mal wieder versiegt, dann wieder aufflammt und irgendwann im Grundsätzlichen endet. Schauspieler und Regisseur bemühen sich redlich das Ganze auf dem Niveau der Komödie zu halten und es nicht zu einem Psychospiel zwischen den Akteuren abgleiten zu lassen. Das gelingt nur teilweise. Die Schauspieler agieren aufgrund dieses Vorhabens oft auf der Oberfläche, so das mir der Film nicht wie ein Film sondern wie verfilmtes Kabarett vorkam. Irgendwie hats einfach an Tiefe gefehlt, die eine Kmödie durchaus auch erreichen kann.

Film: Verliebt in meine Frau

Ach ja, der Mann für den es kein Entrinnen gibt angesichts der Schönheit und Naivität einer viel jüngeren Frau. Da wird mal schnell das eigene Leben komplett aufgelöst, die in die Jahre gekommene Ehefrau verlassen und die alten Freunde verraten. Nein es geht hier nicht um Moral. Es geht um den Wahnsinn, wie die Illusion einer Romanze das abgeklärte Leben mit Engelsflügeln versieht. Eine Illusion wird nie zu Ende illusioniert. Die Schönheit wird immer nur bis zu einem nicht weit entfernten Punkt gedacht. Das schaut von außen betrachtet lächerlich aus. Ist aber für den Mann, der so etwas erlebt wie ein grandioser Aufbruch in unendliche Weiten. Wer denkt da schon an Absturz?

Der Schreibtisch, die Insel

Mein Schreibtisch ist ein verschwiegener Ort. In einer Ecke in einem dunklen Zimmer hat er seinen Standort. Durch das kleine Dachfenster dringt kaum Licht. Ich muss die kleine Lampe einschalten. Ich setze mich in den warmen Lichtkegel. Abschied von allem, was mich stört. Von dem Gerede, dem Telefon, dem schmutzigen Geschirr in der Küche, von meiner Unruhe und gelegentlich, wenns richtig gut ist von der Zeit. Ich sitze einfach nur da und schreibe in der Blase des Lichts. Der Router leuchtet hinter Türen und Wänden. Die Schimäre der offenen Welt lauert, Nach Stunden oder schon Minuten erliege ich ihr. Mit großer Bestimmtheit. Am Ende liege ich wie ein erschlagener Krieger auf der Tischplatte.

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