HIOB in den Münchner Kammerspielen nach dem Roman von Joseph Roth

Die Geschichte ist so tiefgründig, so viel dimensional, dass man sie lesen oder eben als Theaterstück erleben muss. Andre Jung spielt den jüdischen Lehrer Mendel Singer, Vater von drei Söhnen und einer Tochter. Er lebt in Russland in großer Armut, ist sehr fromm und glaubt fest an die Gutmütigkeit Gottes. Sein behinderter Sohn Menuchin bedeutet für ihn eine Prüfung Gottes, der er sich stellen muss.

Das Unglück beginnt mit den Veränderungen. Einer der Söhne geht zur Armee des Zaren, der andere desertiert und wandert nach Amerika aus, die Tochter flüchtet in wilde Affären mit Kosaken. Letzteres ein Grund für den an Traditionen orientierten Vater seinem Sohne in die USA zu folgen und seinen kranken Sohn Menuchin zurückzulassen. In diesem fremden, ganz dem Kapitalismus verschriebenen Land trifft ihn ein Schicksalsschlag nach dem anderen.  Beide Söhne im ersten Weltkrieg getötet und verschollen, seine Tochter dem Wahnsinn verfallen, seine Frau Deborah stirbt vor Kummer. Mendel Singer alleine in dem von Reklametafeln hell beleuchteten Land, wo Gott entweder tot oder sehr böse ist…..

Die Geschichte kreist um die Gestalt des Mendel Singer. Andre Jung spielt so ungeheuer vielschichtig, beladen mit Gottesfurcht, Schuld, der Liebe zu seinen Kindern und dem schlechten Gewissen gegenüber seiner Frau, weil er irgendwann aufgehört hat sie zu begehren. Die Sprache und sein Spiel erzeugen einen Kosmos einer menschlichen Seele, die nicht nacherzählbar ist, die man nur  im Hören und Schauen erleben kann.

Auf der Bühne ein Karussell, verhängt mit bunten, unterschiedlich gemusterten Vorhängen. Es dreht sich, bleibt stehen, dreht sich weiter. Geburt, Liebe und Tod. Immer bleibt man auf diesem Karussell, so wie der Mensch in seinem Körper und seinem Schicksal verharren muss, ganz egal welche Umgebung gerade an ihm vorbeizieht. Zuschauen und Zuhören…pures Glück!Hiob