Das erste Sexspielzeug

Das erste Sexspielzeug

Als Adam den Apfel nahm, von Eva angeboten, begehrte er sie wie noch nie vorher. Er schlief mit ihr im Garten Eden unter einem Tulpenbaum. Der Apfel lag ungegessen neben ihnen, als er auf ihr kam und sie unter ihm. Die Schreie der beiden ließ die Vögel auffliegen aus den leuchtenden Gräsern des Paradieses. Er strich ihr zart mit einem Zeigefinger über die Augenbraun. Er liebte es in ihre noch von der Erregung verdrehten Augen zu schauen. Der Apfel war nach vorne gerollt zu ihren Füßen. Eva spürte ihn an ihren Sohlen und rollte ihn mit den Füßen nach oben zwischen ihre Beine. Er lag nun in ihrer Scham, im Nest ihres blonden, gekräuselten Schamhaares. Sie kicherte wegen dem Kitzel und der Kühle der roten pflanzlichen Haut. Ob diese beiden Menschen schon eine Sprache hatten? Nehmen wir mal an, es wäre so. Dann würde Eva gesagt haben: „Schau, Adam. Der verbotene Apfel in meinem Schoß. Wie das Ei eines Paradiesvogels.“
Sie nahm seine rechte Hand und legte sie auf den Apfel. Adam wusste intuitiv, was zu tun war. Er rollte die Frucht geschickt auf ihren Venushügel hinauf und wieder hinunter. Dabei drehte er sie sehr geschickt um ihre eigene Achse. Eva schloss ihre Augen. Leise säuselte sie mit dem Wind.
Gott beobachtete seine beiden Geschöpfe. Er sah zu, was sie mit der von ihm verbotenen Frucht anstellten. Warum biss verdammt noch mal Adam nach dem für den Allmächtigen erstaunlich anregenden Liebesspiel nicht einfach hinein? Das von ihm geschöpfte Begehren entwickelte etwas, was er in den sechs Tagen seiner Genesis noch nicht benannt hatte. Er sah in das gerötete Gesicht von Eva, ihren leicht geöffneten Mund, ihre Brüste, die sich immer schneller hoben und senkten. Die Frucht, mit der Adam die Scham seiner Eva verwöhnte, wurde nicht mehr nur von der Hand bewegt. Seine Stirn, seine Kopf, Bauch, Knie, Füße, ja eben fast alles was Gott für den Menschen geschaffen hatte, beteiligte sich am Rollen und Rotieren der Frucht..
Doch ein Apfel sollte ein Apfel bleiben. Ein Baum ein Baum. Ein Affe ein Affe. Eine Wolke eine Wolke, ein Mensch ein Mensch und Gott der Gott. Alle Dinge sollten die von ihm ausgedachte Bestimmung behalten und niemals verändern.
Den Menschen mit Intelligenz auszustatten, mit einem Bewusstsein, war Gottes beste Idee. Aber nun rührte sich etwas in diesen beiden Geschöpfen, das ihm entglitt, das er nicht vorausgesehen hatte. Gott zweifelte zum ersten Mal an seiner Allmacht. Evas Atem war inzwischen in ein singendes Stöhnen übergegangen und drängte sich in Gottes Denken. Gott musste schnell ein Wort finden für das, was diesen zweckentfremdenden Umgang mit diesem rotbackigen Obst entsprach. Ein von ihm geschöpftes Wort für das Phänomen, Gegenstände einem anderen Sinn zuzuführen. Würde er ein Wort finden, hätte er wieder die Macht über das Treiben seiner ersten Menschen. Er sah in Evas weit aufgerissene blaue Augen, bemerkte ihre zitternde Wimpern, ein Detail seiner Schöpfung, auf das er besonders stolz war. Wie sie sich wand, sich aufbäumte auf dem von Gott geschaffenen weichen Moos. Der über ihren Körper gleitende Apfel, der ihr so viel Lust brachte, dass selbst die Bäume ihr Rauschen einstellten.
Das Stöhnen des Begehrens in der Stille des Paradieses. Das Menschliche war hineingefallen in die frische Welt. Hineingefallen ins Paradies. Nicht von ihm, Gott ausgelöst, sondern vom diesen beiden dort unten.
Gott vernahm Evas erlösenden Schrei in der Befreiung ihres Begehrens. Das Begehren war seine beste Erfindung Gottes. Es immer tun zu müssen, um sich als einmalige Art auf dem Erdboden möglichst zahlreich auszubreiten Aber nun trieben es Mann und Frau mit Hilfe eines Apfels, der noch dazu mit einem Tabu belegt war. Da stand plötzlich das Vergnügen im Vordergrund und nicht mehr die Zeugung weiterer Nachkommen. Er erfuhr vor seinen alles wahrnehmenden Augen eine Umdeutung eines Teils seiner Schöpfung in ein Liebesspielzeug, das seine Eva zur sexuellen Ekstase, aber zu keinem fruchtbaren Samenstrom führte. Die von ihm geschaffene künstliche Intelligenz entwarf eigene, menschliche Ideen. Wie konnte ihm, dem einzigen Gott dieser Welt, so etwas unterlaufen?
Gott sah hinunter auf die beiden Geschöpfe. Eng umschlungen schwitzend und glückselig bissen sie abwechselnd in die wertvolle Frucht. Gott spürte Spuren des Schmerzes, den er allem, was lebt, gegeben hatte, nun an sich selbst. Der Schmerz als ein Zeichen von Neid auf das Menschliche da unten auf seiner Erde. „Was für einfallsreiche Wesen“, sprach Gott zu sich selbst. „Zu leichtsinnig bin ich gewesen nach all den anderen erfolgreichen Schöpfungen von Himmel und Erde, Pflanzen und Tieren. Zu kompliziert habe ich das Innere ihrer Köpfe ausgestaltet und den Überblick verloren. Ach wie menschlich fehlerhaft auch ein Gott sein kann.“ Er sprach´s und vertrieb Adam und Eva, nachdem sie den Apfel verspeist hatten, aus ihrem Paradies. Verlassen hätten die beiden es eines Tages sowieso. Der menschliche Einfall und das von göttlicher Macht unabhängige Begehren blieben für immer in der Welt.