„Don´t forget to die“ von Karin Breece in den Münchner Kammerspielen

Kammerspiele München
Gestern am späten Nachmittag entschloss ich mich spontan ins Theater zu gehen, in die Münchner Kammerspiele. Ein Freund empfahl mir das Stück „Don´t forget to die“. Ich ging zuerst in die Küche und holte mir ein Bier aus dem Kühlschrank. Ich setzte mich in die erste Reihe. Auf mein Sofa. Ich schaltete meinen Laptop ein. Google war das Foyer, der Flaschenöffner der Kartenabreißer und die Maus die Platzanweiserin. Ich war alleine. Vor dem Fenster ging die Sonne unter. Ich saß ganz vorne und die Bühne war trotzdem klein. Der Stream begann mit einem Klick. Menschen erschienen auf meinem Bildschirm: Vier alte Frauen und ein alter Mann, alle zwischen 74 und 94 Jahren. Sie sprachen über ihr Leben, aber hauptsächlich über das, was danach kommen könnte. Den Tod. Jeder ganz persönlich. Umgeben von der Anteilnahme der anderen und der Zuschauer, die ich nicht sah. Jede Geschichte dieser hellen Gestalten in ihren mitgenommen Körpern entfaltete sich. Jede Erzählung nahm Platz wie eine schillernde Stubenfliege. Ich war im Theater bei mir zu Hause, wo Menschen von ihren Liebe zum Leben, ihren Hobbys, von ihrer Angst, ihrem Glauben an ein höheres Wesen, an die Evolution, an die Reinkarnation oder an das Nichts erzählten. Und alle mit dem Wissen, dass irgendwann sowieso das letzte Wort gesprochen wird. Das fühlte sich in meinem inzwischen schon dunklen Zimmer nicht tragisch an. Die Menschen dort auf der Bühne, auf meinem Tisch beruhigten mich. Dann war das Stück zu Ende und ich klappte den Deckel des Laptops zu. Als würde sich sozusagen der Theatervorhang ziemlich schnell senken…