Elena Ferrante: Die Geschichte eines neuen Namens

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“Die Geschichte eines neuen Namens” entfaltete wieder ihren Sog, zumal ich mit den beiden Frauen durch den ersten Band bereits sehr vertraut bin. Ja vielleicht verwandel ich mich zeitweise sogar dank der der Sprache in die beiden Antipoden: Lila die Impulsive, Leidenschaftliche, Schöne, Kompromisslose, Sprunghafte, vor Intelligenz Sprühende, dann Lena, die Kluge, zu Vernünftige, Planende, Zurückhaltende, Distanzierte, Literarische. Vielleicht ist Lila das Alter Ego von Lena. Aber das ist nicht wichtig. Beide Frauen erkämpfen sich ihr Leben in einer Welt, die gewalttätig ist und die Bestimmungen und Talente ihrer Menschen, vor allem der Frauen, brutal unterdrückt. Alle Dramen spielen sich in den sechziger Jahren in Neapel ab. Lila verirrt sich in den Konventionen. Sie heiratet früh einen Lebensmittelhändler, lässt sich von ihrem Ehemann schlagen und vergewaltigen. Trotz allem leitet sie sehr erfolgreich zuerst ein Lebensmittel-dann ein Schuhgeschäft. Lena folgt stringent ihrem Talent trotz aller Lieblosigkeiten und Gewalt von außen. Sie absolviert das Gymnasium als beste, studiert in Pisa und schreibt einen erfolgreiche Roman. Beide Frauen ziehen ihre Bahnen, Lila weit außerhalb ihrer Begabung, Lena ganz ihrer Intelligenz folgend. Der Anziehungskraft der Liebe sind beide nicht gewachsen. Die Illusion, aus sich und seiner Umgebung hinauszuwachsen, ist einfach zu groß. Beide verlieben sich in den gleichen Menschen, ein Mann, der nicht mit körperlicher Stärke brilliert, sondern schlicht mit seiner Intelligenz und seiner Empfindsamkeit.
Lebensläufe sind.
Am Ende erkennt die Ich-Erzählerin Lena, nachdem sie ihre Freundin nach vielen Jahren in einer Fleischfabrik wieder trifft: “Sie reagierte, indem sie mir praktisch erklärte, dass ich gar nichts gewonnen hatte, dass es auf der Welt überhaupt nichts zu gewinnen gab, dass ihr Leben genauso wie meines voller außergewöhnlicher und unsinniger Abenteuer war und dass die Zeit ganz einfach ohne jeden Sinn verrann und es nur schön war, sich hin und wieder zu sehen, um den verrückten Klang des Gehirns der einen als Echo im verrückten Klang des Gehirns des anderen zu hören.”