“In den Gängen” ein Film von Thomas Stuber

Das ist ein Film des Blickens, des Schauens, des Beobachtens. Ein Film über das Sehen. Mit großer Zartheit und Vorsicht, den Menschen in einem Großmarkt nicht zu nahe zurücken. Sie in Ruhe zu lassen in ihrer Suche nach Gemeinsamkeit und wenn es ganz gut kommt, nach Liebe. Am Ende ist man nicht mehr Zuschauer, sondern einer, der Regale einräumt, mit dem Gabelstapler die Schluchten der Gänge abfährt, Kunden zu den gesuchten Schokolinsen schickt oder gegen den Chef der Pfandrückgabe Schach spielt.
Franz Rogowski spielt den schweigsamen Angestellten Christian. Frisch aus dem Knast fängt er in der Getränkeabteilung an. Der warmherzige Bruno nimmt ihn unter seine Fittiche. Schnell merkt er, dass Christian sich in die verheiratete Marion (Sandra Hüller) aus der Süßwarenabteilung verliebt hat und unglücklich ist.
Für die Angestellten ist der Großmarkt die Welt, in der sie zu Hause sind. Das sind nicht ihre Wohnungen und Eigentumshäuser, wo die Einsamkeit und die Vergänglichkeit der Liebe spürbar und penetrant sind. Christian hat in dem Markt seine Heimat gefunden. Mit seinem Gabelstapler geht er auf Entdeckungsreise. Er ist sein Kreuzfahrtschiff, auf dem er zwischen den hohen Regalen hindurchsurft wie zwischen Wellen. Wenn man die Gabel von oben ganz nach unten fährt, klingt es wie das Rauschen des Meeres.
Die Augen von Franz Rogowski sind groß wie eines Kindes und traurig wie eines alten, einsamen Mannes. Darin spiegelt sich alles, was das Leben ausmacht. Wer muss da noch in fremde Länder fahren.