MIRANDA JULY: DER ERSTE FIESE TYP in den Münchner Kammerspielen

Es geht um die Entgrenzung, um Heilung. Vor allem um Befreiung aus einem Leben, das Rituale, Gewohnheiten und die Einsamkeit so starr und traurig gemacht haben. Cheryl lebt ein strenges, gut organisiertes und geordnetes Leben ohne Störungen von außen. Freudlos, aber sauber. Cheryl wird krank, bekommt Schluckbeschwerden und einen Kloß im Hals. Symptome eines freudlosen, kommunikationsarmen Lebens. Noch dazu ist sie unglücklich verliebt. Da zieht Clee ein, die Tochter ihres Chefs, rücksichtslos in ihrem Hedonismus und in ihrer Lust das Leben auf vermeintlich primitive Art zu genießen, mit Fernsehen, Chips und Fertigessen aus der Mikrowelle. Ihre gewaltvolles, rabiates Ausbreiten in der Wohnung der Älteren führt zur Eskalation. Die Eskalation schließlich zum Auseinanderbrechen des gewohnten Lebens, zur Lust am Spiel, am Experiment, an der Auflösung von Rollenbildern, Geschlechterzuordnungen und sexueller Konventionen. Das Leben hebt ab und alles, alles gelangt in einen Zustand des Schwebens und des Spiels.