Das verspätete Erstaunen über die ersten Menschen auf dem Mond, damals 1969

Wie die Astronauten auf dem Mond schliefen
Was machte es mit den Menschen, wenn sie einen anderen Himmelskörper besuchen. Vor allem was geschieht mit ihren Träumen, wenn sie schlafen?
Ein Zeitungsartikel hat mich darüber zum Nachdenken gebracht. Mir ist klar geworden, in welche Höhen der Besuch auf dem Mond das Leben der Astronauten katapultiert hat. Ein, zwei, drei Tage auf einem anderen Himmelskörper verbracht zu haben. Der Blick aus der Raumkapsel ein Blick auf den blauen Heimatplaneten. Alles so weit, die Familie, das eigene Bett, der Hund, das Leben. Die sagenhafte Einsamkeit im Weltraum auf einem steinernen, leblosen Gestirn um die Erde zu kreisen. Die Angst, dass eine defekte Technik die Rückkehr verwehrt und das Sterben nicht auf dem Planeten stattfindet, wo man geboren ist.
Das Heimkommen muss ein unwahrscheinliches Glück bedeuten. Ein Glück, das für das weitere Leben zu Hause ausreicht.
Aber es kann auch gegenteilig passieren, wie bei Buzz Aldrin, dem zweiten Mann auf dem Mond. Er kehrte zurück und verfiel dem Alkohol. Vielleicht schaffte er es nicht, diese emotionale Höhe, diesen Rausch auf dem Mond, auf der Erde wiederherzustellen, höchstens mit viel Brandy….
Ich erinnere mich als ich als kleiner Junge diese verschwommenen Bilder sah, dieser hüpfenden, konturlosen Gestalten umschlossen von vibrierendem faserigem Licht. Es war damals zwischen all dem neuen, was ich als Kind wahrnahm, nichts Besonderes Menschen über den Mond spazieren zu sehen. Die Tragweite und das Sensationelle ist mir erst mit dem Lesen des Artikels deutlich geworden. So habe ich das Erstaunen nachgeholt.

Winternacht

Im Nebel baut sich der graue Mond ein Nest
Ein Rest von Schimmer im Silber der Blätter.
Ihre hellen Melodien vom Dunkel verwandelt
Ins Flügelrauschen schwarzer Vögel.

Karl Ove Knausgard: Kämpfen

Kaempfen von Karl Ove Knausgard

Das Leben ist ein Kampf. Der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgard kämoft mit allem. Vor allem mit der Vorstellung, die er von sich selbst hat und die sein Tun bestimmt. 1300 Seiten, die nie erschöpfend sind und nur ein Streifzug durch das komplexe Leben eines Menschen sein können. Aber es ist allemal einen Versuch wert, das Leben, das man selber führt, einzufangen. Leichter ist es, den eigenen Schatten in Ketten zu legen.
Seinen Anspruchauf Ehrlichkeit kann ich als Leser nicht überprüfen. Was ist unter der Schicht verborgen, über die der Autor ehrlich und freizügig schreibt? Was fühlt er wirklich? Welche Gelüste und Triebe treiben in tatsächlich an? Wer über sich nachdenkt oder über sich schreibt, ist gezwungen eine Auswahl zu treffen. Eine Auswahl aus der Unendlichkeit der eigenen Existenz.
Knausgards Frau ist manisch- depressiv. Indem er über sie schreibt, distanziert er sich zwangsläufig von ihr, stell sie dar, verobjektiviert sie. Das bedeutet, dass sein Schreiben unmittelbare Auswirkungen auf sein eigenes Leben hat. Es zum Teil auch zerstört. Das macht das Buch wie alle Romane Knausgards so verstörend. Knausgard ist obsessiv in seinem Drang sein eigenes Leben zu veröffentlichen und damit zu relativieren, ja auch zu balanisieren. Das eigene Leben ist zu dicht, zu unübersichtlich, um es literarisch zu erfassen. Ein anderes, fremdes Leben zu beschreiben, ist möglich, weil da schon vor dem Schreibprozessn die Wahrnehmung alsFilter wirkt.
Knausgard flüchtet vor seinem eigenen Wahsinn, indem er über ein anderes Buch schreibt. Und wieder rührt dabei an einem Tabu. Er hat sich das Buch “Mein Kampf” ausgesucht. 500 Seiten verwendet er, um sich diesem tabuisierten Machwerk zu widmen. Das Buch sezierend wagt Knausgard ein menschliches Verständnis für den künstlerisch gescheiterten, jungen Mann namens Adolf Hitler, Sohn eines gefühllosen, prügelnden Vaters. Er, so Knausgard, hätte sich trotz seines Scheiterns immer für eine Lebensrichtung entscheiden können. Nach dem 1. Weltkrieg entfesselte sich sein Hass und seine Rücksichtslosigkeit. Sein Buch wird die Einleitung für die durch ihn und seine Kumpanen größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte. Nach Knausgard fehlt “Mein Kampf” vollkommen das “Du”, das “Gegenüber”. Es wird bestimmt durch die Diktatur Hitlers Egos. Jeder Satz ist endgültig und soll für immer unwidersprochen bleiben.
Knausgards Roman “Kämpfen” sucht verzweifelt das DU im Leser und in seinen Mitmenschen, seinen Kindern, seiner Frau. Vielleicht kommt seine Obsession von der Angst, vor dem völligen Kontaktverlust zu den anderen aber auch zu sich selbst, der ihn wie Hitler zum Monster machen würde.

Freiheit

Das Leben hält mich in Atem, am Atmen. Ich kann nicht stillstehen unter dem Himmel. Der scheint mich zu verstehen mit meiner bodenlosen Neugierde auf den Horizont und was dahinter aufscheint. Ich trage die Unendlichkeit an Leben in mir. Was ich tue, ist immer nur ein Entwurf, eine Skizze, eine Vorstellung, der Fetzen von einem Traum und ein Rest Erinnnerung. Alles und jeder kann ich sein. Frei sein. Nicht zu tief an einer Stelle graben. Mich befreien von dem Alten, springen auf zwei Beinen zum nächsten Flecken, der so viel verspricht in seiner Unberührtheit.

Ich will mein Bewusstsein aber behalten.

Heute Morgen schon um vier aufgewacht. Am Abend vorher die Antwort eines amerikanischen Atomphysikers gehört, was nach dem Tod passiert. Wir erkalten zwar, aber die Moleküle, aus denen wir bestehen, sind noch voller Energie. Im Krematorium geht diese Energie in die Luft. Lassen wir uns begraben, ernähren sich die Würmer und Maden von unserer Energie. Sie verwandeln unsere Moleküle in die Grundlage neuen Lebens. Ist das nicht wunderbar, so der Wissenschaftler. Denn wir geraten wieder in den Zustand, den wir vor unserer Geburt hatten. Ein Zustand gänzlich ohne Bewusstsein. Aber genau das ist der Grund, warum ich nicht mehr einschlafen kann. Ich möchte mein Bewusstsein behalten. Für immer. Ohne Bewusstsein ist das Ganze doch kein Leben mehr.

Zadie Smith: NW London

NW London

Zadie Smith ist eine Autorin, die es kann. Menschen mit Sprache in ihrer Vielschichtigkeit zu begreifen und sie zu erfassen ist schwer. Da darf kein Rest von Vorurteilen, Klischess, Schwarweimalerei, moralischer Kategorisierung, Schwärmerei mehr aufblitzen. Die Verführungen, sich an Urteilen festzuhalten, diese zu präsentieren, sind allzu stark. Zadie Smith folgt ihrer Hand, ihrem Talent, ihrer Intuition, ihrer Beobachtungsgabe, um die Menschen in diesem Buch leben zu lassen, So wie sie wirklich sein könnten oder tatsächlich sind. Nie ausschließlich gut, schön, böse, moralisch, verrückt, gescheitert, kalt, herzlich, mitfühlend, liebend oder hassend. Begegnungen sind immer vielschichtig nie eindeutig in ihrer Intention und in ihren Gesten. Literatur wenn sie richtig gut ist, kann das. Und dieses Buch ist gut. Denn es bringt diesen naiven Glauben an eine bunte, niemals mit erwachnsenen Begriffen zu deutende Welt, zum Schwingen.

Schreiben

Das Schreiben ist mir verloren gegangen. In der Fülle meiner Rollen und Aktionen. Obwohl es alles zusammenbringt und verdichtet und sichtbar macht, wie das Meer, das sich während der Ebbe zurückzieht. Das Leben zum Glänzen bringt.

Irland 5

Der Regen der Wind und die Kälte im Sommer. Auf irgendeinem Berg,dessen Name niemand kennt. Der die eigene Verlassenheit zum Ausdruck bringt. Du bist und bleibst auch da der im Kopf aufgehoben Mensch,der weiß,dass auch dieser irische Tag sein Ende findet irgendwo dort unten in einem kleinen Dorf am Meer bei einer heißen Tasse Tee.

Irland 3

Das Gehen ist ein Durchwandern eigener Gedankenwelt.Die Umgebung und die Natur meist nur Kulisse für das Eigene. Und ich dachte immer die Leere,die so etwas wie Glück verspricht,würde am Ende stehen. Meine Beine sind wie Kochlöffel,die den eigenen Brei bei jedem Schritt immer und immer wieder durchrühren..