Ich will mein Bewusstsein aber behalten.

Heute Morgen schon um vier aufgewacht. Am Abend vorher die Antwort eines amerikanischen Atomphysikers gehört, was nach dem Tod passiert. Wir erkalten zwar, aber die Moleküle, aus denen wir bestehen, sind noch voller Energie. Im Krematorium geht diese Energie in die Luft. Lassen wir uns begraben, ernähren sich die Würmer und Maden von unserer Energie. Sie verwandeln unsere Moleküle in die Grundlage neuen Lebens. Ist das nicht wunderbar, so der Wissenschaftler. Denn wir geraten wieder in den Zustand, den wir vor unserer Geburt hatten. Ein Zustand gänzlich ohne Bewusstsein. Aber genau das ist der Grund, warum ich nicht mehr einschlafen kann. Ich möchte mein Bewusstsein behalten. Für immer. Ohne Bewusstsein ist das Ganze doch kein Leben mehr.

Zadie Smith: NW London

NW London

Zadie Smith ist eine Autorin, die es kann. Menschen mit Sprache in ihrer Vielschichtigkeit zu begreifen und sie zu erfassen ist schwer. Da darf kein Rest von Vorurteilen, Klischess, Schwarweimalerei, moralischer Kategorisierung, Schwärmerei mehr aufblitzen. Die Verführungen, sich an Urteilen festzuhalten, diese zu präsentieren, sind allzu stark. Zadie Smith folgt ihrer Hand, ihrem Talent, ihrer Intuition, ihrer Beobachtungsgabe, um die Menschen in diesem Buch leben zu lassen, So wie sie wirklich sein könnten oder tatsächlich sind. Nie ausschließlich gut, schön, böse, moralisch, verrückt, gescheitert, kalt, herzlich, mitfühlend, liebend oder hassend. Begegnungen sind immer vielschichtig nie eindeutig in ihrer Intention und in ihren Gesten. Literatur wenn sie richtig gut ist, kann das. Und dieses Buch ist gut. Denn es bringt diesen naiven Glauben an eine bunte, niemals mit erwachnsenen Begriffen zu deutende Welt, zum Schwingen.

Schreiben

Das Schreiben ist mir verloren gegangen. In der Fülle meiner Rollen und Aktionen. Obwohl es alles zusammenbringt und verdichtet und sichtbar macht, wie das Meer, das sich während der Ebbe zurückzieht. Das Leben zum Glänzen bringt.

Irland 5

Der Regen der Wind und die Kälte im Sommer. Auf irgendeinem Berg,dessen Name niemand kennt. Der die eigene Verlassenheit zum Ausdruck bringt. Du bist und bleibst auch da der im Kopf aufgehoben Mensch,der weiß,dass auch dieser irische Tag sein Ende findet irgendwo dort unten in einem kleinen Dorf am Meer bei einer heißen Tasse Tee.

Irland 3

Das Gehen ist ein Durchwandern eigener Gedankenwelt.Die Umgebung und die Natur meist nur Kulisse für das Eigene. Und ich dachte immer die Leere,die so etwas wie Glück verspricht,würde am Ende stehen. Meine Beine sind wie Kochlöffel,die den eigenen Brei bei jedem Schritt immer und immer wieder durchrühren..

Irland 2

Der Sonne gehört heute der Himmel. Und die Wolken sind ihre samtweichen Engel. Darunter alle Spielereien und Experimente der Farbe Grün, die sich nicht scheut, sich mit allem wie ein leichtfertiges Mädchen einzulassen. Das Meer zwischen den Halbinseln Dingle und Kerry. Reines Blau, das sich wehrt gegen die Avancen der Farbe des makellosen Rasens. Vergeblich. Das Licht der Sonne schickt Küsse der grünen Verführerin in die Wellen. Kleine spiegelnde Flächen nur von oben zu sehen sind Zeichen ihrer Schamlosigkeir hier auf dieser Insel.IMG-20170804-WA0011

Irland 1

20170801120113_IMG_0565Killarney
Graue Städte auf grüner Insel. In der Wohngegend von Killarney entsteht das Gefühl ich wäre in eine Erinnerung eingetreten, die als Schwarzweiß-Film läuft. Die Häuser schreien ihre graue Farbe in den grauen Himmel. Es gibt hier eine Welt ohne Schillern,ohne Glanz, ohne Leuchten. Die Wolken lassen ihren steinernen Ungeheuern nur das Grau ihrer eigenen Wesenheit.

Die Schafe sind hier keine Schafe sondern reinkarnierte Punks. Sie rufen einem nicht hinterher Hast de mal einen Euro sondern blöken uns deutschen Wanderern hinterher haste de mal ein Gänseblümchen. Ach je der Kopf dreht sich beim Wandern wie eine Waschmaschinen Trommeln und produziert Schaumblasen bunt wie weiße Schafswolle. Es geht auch ohne Drogen. Dieser Satz ist ein wohlfeiles Souvenir für meinen Sohn

Ein Tag

Wenn ich morgens aufwache, liegt da schon der Tag neben mir. Ein Stück Papier, ein aufgeschlagenes Buch, ein Handtuch, eine Blume. Ich möchte diesen Tag gestalten. Ich will, dass er mir gehört. Wie ein kleiner Hund, den ich bei Sonnenaufgang spazierenführe. Abenteuer, Liebe, Kunst, Freundschaft, Schöpfung sind die Worte, die mich zu dieser Zeit berauschen können. Am Morgen, nach der ersten Tasse Kaffee.
Ich bin jetzt so jung, als hätte kein Kummer, kein Unfall, kein Unglück, keine Ernüchterung jemals meinem Leben eine Schramme zugefügt. Es gibt kein Gestern, wenn ich mir die Marmelade von meinen Lippen lecke. So schaue ich in den Spiegel und betrachte mich mit meinem weißen Hemd mit dem sauberen Kragen und den gewaschenen Haaren. Heute werde ich etwas entdecken, was mich rettet. Das Leben endet nie. Und wenn, dann bereitet mir der Tod um sieben Uhr keine Sorgen. Die Zahnpasta in meinem Mund. Der Schaum der Tage. Der Butterrest am Messer. Die Brotkrümel auf dem Teppich unter dem Tisch. Das kann ich alles lassen. Jetzt
Ich setze mich an meinen Schreibtisch. Hinter mir das Bett mit der zerwühlten Decke. Der Computer fährt hoch. Er atmet leise. Ich öffne das Schreibrprogramm. Es gelingt mir die ersten Zeilen zu schreiben. Ich kann mich mit ihnen ohne Weiteres einverstanden erklären. Wie mit so vielen Dingen, die mich in diesem Moment umgeben. Der feine Tastaturenstaub, die stumpfen Bleistifte, das Grau des Himmels, das Stuhlknarzen, mein im Kaffeelöffel aufgelöstes Gesicht.

Aufgetaucht aus dem Selbstversuch- Ausbildung zum Münchner Stadtführer

Die Ausbildung ist beendet. Jetzt ist die Welt wieder eine andere. Ich krieche hervor aus meinen Selbstversuch. In einem halben Jahr ließ ich das pulversierende Wissen in mich hineinrießeln. Tatsachen wie Sandkörner. Alles mit großer Selbstverständlichkeit aufgesogen, in mir abgelagert, zu einem materiellen Teil meines Selbst geworden. Ganz habe ich mich dieser Sache gewidmet, bin tief hinabgetaucht. Die Verbindungen zur Gegenwart nur sporadisch. Angenervt von den Vorgängen an der Oberfläche. Die Schulaufgaben meines Sohnes, seine Weigerung zu lernen. Schlagende Türen, Geschrei, Heulen. Nebengeräusche, die mich auf die Palme brachten. Mein Beruf des Lehrers. Immer nur mit dem Ungefähren beschäftigt und der Hoffnung, dass die Schüer etwas lernen.
Mir die verlässlichen Portäts von Herzögen, Kurfürsten und Königen mit ihrer Unveränderlichkeit und ihren in Stein gemeißelten Taten Tag für Tag einprägen. Die Kirchen, Palais, Gärten, Denkmäler und Prachstraßen in Epochen zu verorten und die Ideenwelt der Herrschenden mit eindeutigen Begriffen zu beschreiben.
Mit Jahreszahlen belagerte ich mich.
München liegt jetzt vor mir, die von der Geschichte hingeworfene Stadt. Sie ist mir wieder näher gerückt, Richtung Herz. Wie hat mich diese Stadt lange gelangweilt. Da erweckte nichts mehr mein Interesse. Ich blickte voller Verachtung auf ihre Sauberkeit, ihre Feigheit zum urbanen Moloch zu werden. Ihre Nähe zu meiner komplizierten Familie, die nichts als Loslösung verlangt.
Ich bin ein Kind, das ich immer füttern muss. Mit Löffelchen guter Leistungen.