Zsuzsa Bank:Schlafen können werden wir später

Immer wenn ich mich mit dem Buch auf meinen Friedhof gleich neben meiner Wohnung (ich besitze keinen Balkon) setzte, verabschiedete ich mich von der Welt, um ganz hinabzuwandeln in die Poesie dieses Romans. Eigentlich handelt es sich um keinen Roman, sondern um eine dreijährige Kommunikation via E-Mail zwischen zwei Frauen. Johanna ist Lehrerin, kinderlos´, Mitte vierzig, Doktorandin über Annette von Droste-Hülshoff und gerade verlassen von ihrem langjährigen Freund Markus, in der Provinz im Schwarzwald lebend. Auf der anderen Seite ist Marta, Schriftstellerin, unglücklich verheiratet, drei Kinder in Frankfurt lebend.
Die Frauen verbindet die Liebe zueinander und die Liebe zur Sprache. In ihren Mails (ach dieses Wort ist so unpoetisch, wie klingt dagegen Brief)erzählen sie sich gegenseitig von den Zumutungen ihres Lebens, von den Angriffen verweigerter Liebe, von den Attacken lebensbedrohlicher Krankheiten, den Forderungen des eigenen Egos und von den Verheerungen des Todes. Sie betrachten sich mit so viel Zärtlichkeit, Nachsicht, Vergebung, Wärme, Bedingungslosigkeit, Aufmunterung und Mitgefühl, immer begleitet von einer zarten, poetischen Sprache.
Als Mann, der immer getrieben wird von Ehrgeiz und dem Gefühl, schneller und schlagfertiger als mein Gegenüber zu sein, kann ich da nur verwundert sein und feststellen, dass es auch anders geht. Vorausgesetzt, das mit der Liebe stimmt wirklich.